In der Schule war ich ein Außenseiter. Bei Spielen war ich der, der als letzter übrig blieb. Sport war nicht gerade mein Paradefach und ich fühlte mich sehr minderwertig. Zuhause wurde ich oft von meinem Vater kritisiert. Bemerkungen wie „du hast zwei linke Hände“, was so viel bedeutete wie du bist handwerklich total unbegabt verletzten mich. So erlitt ich viele seelische Wunden.
Nachdem ich Christ wurde vergab ich meinem Vater und meinen Klassenkameraden. In vielen Bereichen hatte mich Jesus bereits durch Gebet von seelischen Verletzungen geheilt. Trotzdem gab es immer noch Bereiche, in denen ich mich minderwertig fühlte.
1999 – 2000 nahmen meine Frau und ich am „Top Training, einem Kurs für Leiter und Mitarbeiter im CZF teil. Es gab viele Möglichkeiten zu predigen. Christa nahm die Herausforderung an und predigte. Ich tat es nicht.
Ich hatte einfach nicht den Mut dazu. Ich glaubte: Entweder gibt mir Gott keine Botschaft, meine Botschaft ist für andere uninteressant oder noch schlimmer: Ich verliere mitten in der Predigt den Faden und alle lachen mich aus.
Im März 2002 bekam ich eine sehr wichtige Prophetie von Joshua Jacobs, einem Propheten aus Australien. Ein Teil davon war: „Du wirst ein Vater sein für die vielen Kinder, die an diesen Ort kommen (im Original: „You will be a father to the many children walking to this place) „Du hast die Salbung eines Vater („you have the anointing of a father“) und „es wird jetzt beginnen“ („and it will start right now“)
Im August 2002 zogen wir nach Pensacola, FL. Wir studierten an der Brownsville Revival School of Ministry (BRSM). Teil dieses Studiums waren auch Praktika. Ich wusste, Gott hatte mich zur Vaterschaft berufen , aber was bedeutete das konkret? Das wusste ich nicht. Bedeutete es Vater zu sein für Kinder? Bedeutete es Mentor für junge (neubekehrte) Christen zu sein oder beides?
Ich spürte, dass Gott mich als Helfer in der Side Walk Sunday School (Anm. das ist eine evangelistische Kinderarbeit unter Kindern aus sozialschwachem Milieu) haben wollte. Ballspiele und Sport waren ein Teil davon. Da sank mir das Herz in die Hose. Bestimmt würde man mich auslachen. Beinahe hätte ich „nein“ gesagt. American football gehörte z.B. dazu. Das hatte ich noch nie zuvor gespielt. Greg ein Mitarbeiter dieses Dienstes erklärte mir sehr geduldig die Regeln. Er zeigte mir was ich zu tun hatte und stellt euch vor: Niemand lachte mich aus.
Das war eine sehr positive und ermutigende Erfahrung für mich.
Unsere Nachbarskinder (Tyrone, William und Shakira, drei Afroamerikaner, ihr seht sie auf Fotos in meiner Fotogalerie) besuchten uns häufig. Ich spielte oft mit ihnen. Mit den Buben spielte ich Basketball. Der älteste war sehr athletisch. Natürlich war er mir im Basketball weit überlegen. Aber das war egal. Was zählte, war, nicht wie gut oder schlecht ich Basketball spielte, sondern dass ich mit ihnen spielte.
Das war eine sehr wichtige Lektion, die ich lernte:
Wie gut ich ein Spiel beherrsche, ob ich eine gute oder schlechte Figur beim Sport mache ist Kindern eigentlich egal. Für sie zählt einfach, dass ich mit ihnen spiele.
Ich lernte Sport und Spiele als gute Möglichkeiten zu schätzen um Kindern Liebe auszudrücken. Beim Basketball beispielsweise drückst du die Liebe Gottes auf dreierlei Art aus:
Durch Ermutigung (indem du ihre Fähigkeiten lobst, z.B. „gut gemacht“- gelobt werden solche Kinder ja selten) , Berührung (auf die Schulter klopfen) und dadurch, dass du einfach für sie da bist (ihnen deine Zeit widmest, als ob sie die wichtigsten Personen des ganzen Universums wären). Allein die Tatsache, dass du als Erwachsener mit ihnen Zeit verbringst bedeutet ihnen sehr viel.
Diejenigen von euch die das Buch die „Fünf Sprachen der Liebe für Paare“ und / oder das Buch die „Fünf Sprachen der Liebe für Kinder“ kennen wissen wovon ich spreche. Beide Bücher waren meine Lehrbücher in der Bibelschule und ich kann sie nur wärmstens empfehlen.
Die beiden anderen Liebessprachen, die ich noch nicht erwähnt habe heißen: „dem anderen etwas zu schenken“ und „etwas für den anderen tun“
Das „Vater und Sohn Campingwochenende“ kam. Eine tolle Idee. Gedacht war es insbesondere für Kinder von Alleinerziehenden. Hier sollten sie die Gelegenheit haben wenigstens an einem Wochenende die Liebe eines Vaters, bzw. Mentors zu erleben. Viele von ihnen hatten ja noch nie solche Sätze wie “ich liebe dich” von ihrem (leiblichen) Vater gehört.
Ich hatte den Eindruck, ich sollte mit Tyrone, dem jüngsten meiner Nachbarkinder an diesem Wochenende teilnehmen. Die Aussicht auf einen Samstag vollgepackt mit Sport und Ballspielen machte mir Angst. Schließlich überwand ich meine Furcht.
Wir gingen zusammen hin und hatten eine super Zeit.
Auf der Bibelschule wählte ich den pastoralen Zweig. Dies bedeutete Homiletik“ (das ist ein Fach, in dem man lernt, wie man eine Predigt aufbaut) als Pflichtfach. Es bedeutete auch vor mindestens 10 Leuten zu predigen oder noch schlimmer vor der ganzen Klasse. Die absolute Horrorvision für mich.
Jede Woche wurden mehrere per Los gezogen und durften predigen. Bisher war der Kelch immer an mir vorübergegangen. Das sollte sich bald ändern. Mike, ein Mitstudent und guter Freund von uns warnte mich schon mal vor. Er hatte einen Eindruck von Gott empfangen, ich sei am darauffolgenden Freitag mit Predigen dran. Er riet mir, mich schon mal darauf vorzubereiten.
Vorzubereiten gab es eigentlich nicht viel. Vorbereitet sein musste ich auf sämtliche Predigtentwürfe der verschiedenen Predigtarten, die wir zu diesem Zeitpunkt bereits kennengelernt hatten. Einen davon würde ich predigen, welchen würde ich erst in der Klasse erfahren. Mehr als Beten und Gott vertrauen, dass es irgendwie laufen würde konnte ich eigentlich nicht.
Besagter Freitag kam. Ich wurde gezogen und predigte meinen Predigtentwurf über den Missionsbefehl (Matthäus 28:16-20).
Diese Predigt war wirklich vom Geist Gottes gesalbt und kraftvoll. Ich vergaß auch nicht, was ich sagen sollte. Ich bekam sogar eine Menge Applaus von meinen Mitstudenten. Ich hatte eine weitere wichtige Lektion gelernt:
Wenn Gott dich dazu beruft etwas zu tun, kannst du es auch tun, weil er es ist, der dich dazu befähigt es zu tun.
Diese Lektion wurde sehr bald auf die Probe gestellt.
Christa und ich nahmen an einem privaten Missionstrip in New Orleans teil. Dort diente Ron (ein BRSM Absolvent) mit anderen zusammen Randgruppen. Die Arbeit war so eine Mischung aus Drogenrehabilitation und Jüngerschaft. (ein bisschen vergleichbar mit „Teen Challenge“)
Ich erhielt die Gelegenheit zu lehren.
Meine Vorbereitungszeit betrug eine halbe Stunde. Einige Zeit zuvor hätte ich noch nach Ausreden gesucht, um mich davor zu drücken: wie: „Ich habe nicht genug Vorbereitungszeit“ „Ich kann das nicht, weil ich keine Lehrgabe habe“ „Ich habe keine Botschaft für sie“ und so weiter ….
Ich nahm die Herausforderung an. Ich lehrte eine Lektion von „Solutions“. Solutions ist ein Grundkurs in „Innerer Heilung“ – Heilung von seelischen Verletzungen, insbesondere durch Eltern. Es klappte prima.
Zurück in Deutschland schloss ich mich den Royal Rangers an. Ich durfte ein bisschen Kindheit nachholen. Danke Gott!
Ich wurde Stammleiter der Royal Rangers Aschaffenburg. Im Grunde nur, weil es kein anderer machen wollte. Pfadfinderkenntnisse hatte ich absolut keine. Ich war auch nie zuvor Pfadfinder gewesen.
Ich ging auf ein Ausbildungscamp, das NTC (Nationales Trainings Camp).
Ich hatte Angst, ich könnte etwas vergessen. Ich könnte zu blöde sein die Knoten zu lernen, ein Feuer mit drei Streichhölzern anzuzünden etc. Alles lief letztendlich prima.
Einige Monate später folgte das NTT (Nationaler Trainings Trail – ein Ausbildungstrail). Dies war eine weitere, physische Herausforderung für mich. Damals hatte ich noch ein 3,5 cm kürzeres Bein (jetzt ist es nur noch 1,8 cm kürzer).
Das war eine 2 tägige, insgesamt 45 km lange Wanderung mit 12 kg Gepäck auf dem Rücken, einer topographischen Karte und einem Kompass. Daneben gab es noch eine Reihe von Stationen wo man entweder etwas machen musste (Abseilen von einem Turm und andere kleine Mutproben) oder etwas beigebracht bekam.
Um es kurz zu machen. Gott half mir auch da durch und ich schaffte es.
Was ich lernte war:
Wenn Gott dir Gott eine Aufgabe überträgt, dann gibt er dir auch die Fähigkeiten, die Energie und die Kraft es zu tun (auch dann wenn du davor Angst hast)
PS: Vergiss nicht:
Wenn Gott einen Esel gebrauchen kann, dann kann er auch Dich gebrauchen
Anmerkung: Wer jetzt immer noch glaubt, dass Gott ihn nicht gebrauchen kann, der kann gerne mal die Geschichte mit Bileam und der sprechenden Eselin nachlesen.
Ihr findet sie in 4. Mose 22:28 – 30
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